Sei ein Modell! Seh´ gut aus! Sei Berlin!

Die Berliner Integra­ti­ons­ver­waltung leistet in manchen Bereichen wertvolle Arbeit für die Menschen in dieser Stadt. Leider ist seit einiger Zeit der Eindruck entstanden, dass es Dilek Kolat wichtiger ist, image­trächtige Kampagnen auf den Weg zu bringen, die ihre Arbeit in ein schönes Licht rückt, als die Probleme dieser Stadt ernsthaft anzugehen. (Das betrifft natürlich nicht nur die Integra­ti­ons­ver­waltung.) Wir Piraten haben das schon an vielen Stellen deutlich kriti­siert.

So haben wir bereits in unseren Ände­rungs­an­trägen zum Haushaltsplan 2012/2013 und wieder zum Haushaltsplan 2014/2015 kriti­siert, dass bei zahlreichen Kampagnen die Wirksamkeit fraglich ist, während an wichtigen Stellen, z.B. der Unter­stützung von Migran­ten­selbst­or­ga­ni­sa­tionen oder sinnvollen Arbeits­markt­pro­grammen, Gelder fehlen. Mal wird versucht, jungen Menschen zu erklären, dass Deutsch-Sein toll ist (statt zB den bescheuerte Options­zwang auszu­setzen, wie wir das fordern). Mal wird sugge­riert, Menschen mit Mini-Jobs müssten nur endlich davon über­zeugt werden, richtige Arbeitsplätze anzunehmen, statt gegen Lohndumping und schlechte Löhne vorzu­gehen. Mal werden 18 Mio. Euro ausge­geben, um Berlin gut darzu­stellen. Mal wird „Mi­nijob. Mach mehr draus!“ Mal wird Indus­trie­werbung gemacht. Im Herbst schrieb ich zu einer der zahlreichen als „Kommu­ni­ka­ti­onss­tra­tegie“ getarnten Kampagnen:

„Die Berliner Migrant_innen benö­tigen keine weitere Kampagne, sondern eine Anerkennung ihrer im Ausland erwor­benen Quali­fi­ka­tionen sowie wirksame Schutz­me­cha­nismen gegen Diskri­mi­nierung und Rassismus.“

Ich denke, das trifft es immer noch häufig genug. Eine dieser Kampagnen ist „Mach Berlin zu Deinem Job“. Unter dem Titel „Erfolgs­ge­schichten“ werden Menschen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund gezeigt, die es in Berlin zu etwas gebracht haben, dadurch dass sie in die Verwaltung gegangen sind. Dies soll natürlich auch die Arbeit des Senats legiti­mieren und positiv heraus­stellen. An dieser Stelle ist Ehrlichkeit entscheidend, um einen richtigen Eindruck von der Wirksamkeit der Maßnahmen der Vergan­genheit zu gewinnen. Doch wie sich jetzt heraus­stellte, sind anscheinend mehrere der sogenannten Erfolgs­ge­schichten frei erfunden, zumindest aber wurden falsche Käpfe an die Geschichte montiert. Das ist natürlich ein Hohn. Dass der Senat anscheinend nicht nur für seine Kampagnen zu wenig Freiwillige findet, sagt ja auch schon einiges. Aber dass sie anstatt die dringend notwen­digen Gelder sinnvoll zu inves­tieren, vermutlich Modells damit beauf­tragen, als erfolg­reiche Senats­mit­ar­bei­te­rInnen zu posieren und man sich von nun an nicht einmal mehr darauf verlassen kann, dass die vom Senat vorge­setzten Geschichten auch echt sind, setzt dem Fass die Krone auf. Für mich ergeben sich hier einige Fragen, die ich dem Senat als Anfrage stelle:

Schrift­liche Anfrage des Abgeord­neten Fabio Reinhardt (PIRATEN)
»Sie ist ein Modell und sie sieht gut aus« – Was ist echt an der Werbe­kam­pagne „Mach Berlin zu Deinem Job“?

Mittler­weile ist sie auch beant­wortet worden.

Ich frage den Senat:

1. Wie hoch sind die Kosten der Werbe­kam­pagne „Mach Berlin zu Deinem Job“ (bitte aufschlüsseln nach Konzeption, Produktion und Verbreitung)?

2. Welche Werbe­agentur wurde mit der Konzeption und Umsetzung der Werbe­kam­pagne „Mach Berlin zu Deinem Job“ beauf­tragt?

3. Nach welchen Kriterien wurde die Werbe­agentur ausge­sucht? Welche weiteren Aufträge führt diese Agentur für den Senat aus?

4. Welche weiteren Kampagnen im Bereich Migration/Integration werden derzeit vom Senat umgesetzt bzw. sind 2014 und 2015 geplant und zu welchen jewei­ligen Kosten (bitte einzeln aufschlüsseln)?

5. Wie hoch war der Anteil an Models bei der Werbe­kam­pagne „Mach Berlin zu Deinem Job“ an der Gesamtzahl der darge­stellten Menschen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund?

6. Warum hat der Senat auf Models statt auf „ech­te“ Verwal­tungs­mit­ar­beiter*innen zurück­ge­griffen?

7. Aus welchen Bereichen der Verwaltung kamen die „ech­ten“ Verwal­tungs­mit­ar­beiter*innen?

8. Wie bewertet der Senat den Umstand, dass so wenig Mitar­beiter*innen der Berliner Verwaltung mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, sich für Werbe­kam­pagnen des Senats ablichten lassen wollen?

9. Wie viele der darge­stellten „Er­folgs­ge­schich­ten“ entsprechen voll und ganz der Wahrheit?

10. Erhielten die „ech­ten“ Verwal­tungs­mit­ar­beiter*innen ein Model­ho­norar?

Ich gehe davon aus, dass diese innerhalb der per Verfas­sungs­recht veran­kerten 3-Wochen-Frist zu beant­worten sind.