Rede zum Antrag: Rolle des Integra­ti­ons­be­auf­tragten stärken

Dies ist eine Vorab­version zur Rede des Antrags „Rolle des Integra­ti­ons­be­auf­tragten stärken“ von der 17. Plenar­sitzung am 13. September
es gilt das gespro­chene Wort

Im Jahre 1981 wurde in Berlin als erstem Bundesland das Amt des Auslän­der­be­auf­tragten geschaffen. Das Amt wurde später umbenannt in den Integra­ti­ons­be­auf­tragten und wuchs in seinen Aufgaben und Tätig­keiten. Bekannte Persön­lich­keiten wie Prof. Barbara John und Günther Piening hatten es inne. Piening arbeite unter anderem an der inter­kul­tu­rellen Öffnung der Verwaltung und dem ersten Integra­ti­ons­gesetz eines deutschen Bundes­landes – das Gesetz das wir mit diesem Antrag ändern wollen.

Passend ist, dass Berlin nun schon wieder eine Landes­pre­miere vorlegt. Nach dem ersten Integra­ti­ons­be­auf­tragten und dem ersten Integra­ti­ons­gesetz hat Berlin unter seiner rot-schwarzen Regierung nun auch als erstes Bundesland den Integra­ti­ons­be­auf­tragten faktisch wieder abgeschafft. Denn nach 30 Jahren wird Berlin nun zum ersten Mal keine haupt­amt­liche Integra­ti­ons­be­auf­tragte mehr haben. Denn statt wie bisher als eigene Stabs­stelle an der Spitze des Ressorts wird der Integra­ti­ons­be­auf­tragte nun vom Senat zur Leiterin der Abteilung III Integration unter dem zustän­digen Staats­se­kretär gemacht. Das ist offen­sichtlich die klare Ansage, dass Integration weder als Querschnitts­aufgabe gesehen wird, noch als ein Amt, das die Politik des Senats auch kritisch hinter­fragen soll. Wie soll ein Abtei­lungs­leiter die Politik seiner vorge­setzten Senatorin kriti­sieren, einen Motor für Verän­derung darstellen? Dass die SPD nun mantra­mäßig wiederholt, es handle sich dabei um eine Stärkung, macht es auch nicht wahrer. Die taz schrieb dazu: „Nun zieht eine rot-schwarze Regierung dem Papier­tiger noch die letzten Zähne – und die Integra­ti­ons­se­na­torin macht fleißig mit.“

Dass das Amt in der bishe­rigen Form ein Dorn im Auge der CDU war, sieht man auch an abschät­zigen Kommen­taren der Kollegen im Ausschuss, für Sie sei unser Antrag als wollten wir einen „freischwe­benden Künstlern“ einführen. Kein Wunder, dass Piening im Januar hinschmiss mit den Worten er sei kein Mann für Rot-Schwarz. Dass die CDU mit Kunst nichts am Hut haben will, leuchtet mir ja noch ein, aber warum in einem SPD-geführten Senatsressort die Integra­ti­ons­se­na­torin typische CDU-Politik ausführt, ist mir schlei­erhaft.

Natürlich kann man sagen, jedes Amt dient besten­falls dazu, sich irgendwann selbst über­flüssig zu machen. Aber dieses „irgendwann“ ist sicherlich noch nicht im Jahr 2012 gekommen. Und wenn Sie es abschaffen wollen, dann seien Sie doch wenigstens auch so ehrlich es zuzugeben. Wenn Sie der Meinung sind, dass sich das Amt überlebt habe, dann mache ich einen Gegen­vor­schlag: Öffnen Sie es doch statt­dessen einfach für größere Aufgaben. Wir wollen den Integra­ti­ons­be­auf­tragten zu einem Bauftragten für Parti­zi­pation und Migration machen. Zu jemandem, der die Betei­li­gungs­mög­lich­keiten nicht nur aber von Menschen mit Migra­ti­ons­status verbessern kann. Wir wollen, dass der Integra­ti­ons­be­auf­tragte umfang­reiche Befug­nisse und Unabhän­gigkeit bekommt. Daher sollte das Amt direkt beim Abgeord­ne­tenhaus angesiedelt sein. Dann haben wir jemanden, der nicht nur für die Verteilung von Geldern zuständig ist und der das wichtige Amt des Parti­zi­pa­ti­ons­be­auf­tragten auch in Vollzeit ausführen kann.

Und nun sucht der Senat also seit einem halben Jahr nach einem neuen Abtei­lungs­leiter. Und wie wird gesucht? Man hätte nun die Expertise der im Landes­beirat organi­sierten Migran­ten­vereine hinzu­ziehen können, wie dies auch durch den Charakter des Integra­ti­ons­ge­setzes vorge­sehen ist. Statt­dessen wurde der Beirat erst angehört, nachdem die Perso­nalie schon über die Presse bekannt gegeben wurde. Kein Wunder, dass 13 von 14 Vertretern beschlossen haben, der Sitzung fernzu­bleiben. Schade, dass dieser Bruch wissentlich hinge­nommen wurde. Es liegt an Ihnen, Frau Kolat, dieses verloren gegangene Vertrauen wieder herzu­stellen. Durch die Abwertung des Beauf­tragten und dem Bruch mit dem Beirat wird nun die neue Aufgabe für Monika Lüke nicht leicht werden.

Mit unseren Ände­rungs­antrag reagieren wir auf die aktuelle Situation. Wir wollen, dass der Beirat stärker in den Auswahl­prozess einbe­zogen wird. Er soll öffentlich die Gelegenheit bekommen, zu den Kandi­daten Stellung zu beziehen.

Insofern: Stärken Sie das Amt des Integra­ti­ons­be­auf­tragten und des Beirats!
Stärken Sie den Parti­zi­pa­ti­ons­standort Berlin!
Stimmen Sie für unseren Antrag!