Als ich vor vier Wochen für ein Wochenende in Wien war, um die österreichischen Piraten und die Betreiber des Magazins tantejolesch.at zu besuchen, hatte ich das Glück, den berühmten österreichischen Schriftsteller Robert Menasse zu treffen. Dies geschah am Sonntag in einem kleinen Café in der Wiener Innenstadt. Allein dass es dazu kam, verdankte ich einer äußerst glücklichen Verkettung von glücklichen und weniger glücklichen Umständen. 1. Für die Reise wurde ein Neumitglied gesucht, das aus unverbrauchter Sicht vom Wahlkampf berichten konnte. Aus vier Anwärtern wurde zufällig Henrik Wolf gezogen. 2. Am Freitag, dem ersten Tag unserer Reise, gab Matthias Schrade, Beisitzer im Bundesvorstand, dem Handelsblatt ein wie ich finde wenig geglücktes Interview Interview, in dem er den Austritt Griechenlands aus der Eurozone forderte. Daraufhin schrieb ich am Samstag diesen Blogartikel. Input dazu gab mir Henrik Wolf. Er wies mich auf gute Thesen von Robert Menasse hin. Spontan beschlossen wir, ihn noch am gleichen Tag zu kontaktieren. 3. Nach einigem ergebnisloser Telefonbuchrecherche gab uns abends ein anwesender Journalist seine Mailadresse, wobei es sich allerdings um eine sehr veraltete handelte. 4. Just an diesem Abend rief Robert genau diese Adresse ab, hatte Lust sich zu treffen und schlug eine Lokation am Sonntag vor. Gesagt, getan.
Unser Treffen war großartig und obwohl sehr lang natürlich viel zu kurz. Daher verabredeten wir uns für ein Nachtreffen in Berlin, wo er sowieso bald sein würde. Dieses Treffen habe ich (bzw. mein Mitarbeiter, danke dafür) nun organisiert. Ich lade daher ein zu:
„Wohin steuert Europa?“
Diskussionsveranstaltung mit Robert Menasse u.a.
Am 26.11.2011, 18 Uhr
In Kneipe Aufsturz, hinterer Raum (Rauchen erlaubt!)
Oranienburger Straße 67
Ihr könnt nicht teilnehmen, habt aber Fragen an Robert Menasse? Schreibt diese doch einfach in die Kommentare und vielleicht komme ich noch dazu, diese an ihn zu stellen.
Kleiner Hinweis: Es wäre schön, wenn diejenigen, die kommen wollen, sich hier eintragen würden oder mir eine kurze Mail schicken (Kommentar geht auch), da es eventuell eng werden könnte und ich sonst noch umdisponieren könnte.

cool! wird es nen stream für die nicht-Berliner geben?
Ich werde mich darum kümmern, dass wir einen Stream haben. Wenn alles gut läuft, gibts nen Videostream, ansonsten zumindest einen Audiostream.
Europäische Nabelschau und Krisendebatten
Ist es nicht endlich an der Zeit, diese mittlerweile unerträglichen und detailverliebten Krisendebatten zu beenden und zu einer nüchternen und problemlösungsorientierten Diskussion zu finden? Eine notwendige Voraussetzung wäre die Bereitschaft Europa so zu sehen, wie es ist und nicht wie man es sich wünscht oder wie es vielleicht sein könnte. Wer einen klaren Blick auf Europa wirft, der wird unter dem Strich, seit dem Ende des zweiten Weltkrieges eine einzigartige Erfolgsgeschichte sehen. Darauf können die Europäer durchaus stolz sein und das wird ihnen auf der internationalen Ebene auch niemand übel nehmen.
Gerade in Deutschland müssen sich jedoch viele politische Akteure einmal davon freimachen, dass alles an Europa und der europäischen Integration per se gut ist. Die EU steht natürlich vor großen Herausforderungen, die erstens klar zu benennen und zweitens mit Verstand und Weitsicht zu bewältigen sind. Das ist auch schon alles!
Dabei kann es hilfreich sein, die vielfältige Sicht von Außenstehenden auf Europa einmal zur Kenntnis zu nehmen. Der Regierungschef von Dubai erklärt in Berlin, dass er zuerst an Museen denkt, wenn ihm Europa in den Sinn kommt. Einige Amerikaner wie z.B. Charles Kupchan halten Europa immerhin nach wie vor für ein zukunftsfähiges Modell, dass auf lange Sicht leistungsfähiger als das eigene System ist. Von der chinesischen Außenministerin Fu Ying stammt folgende Aussage „… Auch von Europa haben wir viel gelernt. Europa hat nun große Umbrüche vor sich. Die Finanzkrise brachte die großen Probleme der westlichen politischen Systeme ans Licht. Möglicherweise kann Europa nun auch etwas von anderen Ländern lernen. …“ ( Quelle: Handelsblatt)
Es ist offensichtlich an der Zeit, inne zu halten und Europa nach einer Phase zu schneller, möglicherweise aber politisch unvermeidbarer Erweiterung in eine Phase der Konsolidierung zu führen. Es ist Zeit sich von reinen Lehren zu verabschieden und z.B. anzuerkennen, dass unterschiedliche Integrationsstufen unvermeidlich und keineswegs ein Fehler sind. Eine Konsolidierung muss im Ergebnis auch ein Integrationsmodell bieten können, dass langfristig tragfähig ist und ohne Automatismen auskommt.
Kurz nach dem Fall der Mauer forderte der ehemalige Bürgermeister von Hamburg, Klaus von Dohnanyi : „Eine Vielvölker-Föderation der Europäer als ‚Schweiz der Welt‘ ist eine politische Vision, für die es sich zu kämpfen lohnt‘.“ Warum nicht auch von der Schweiz lernen? Warum nicht mehr Legitimation der EU, nicht allein durch mehr Partizipation sondern auch durch mehr Transparenz und Effizienz?
Die Konsolidierung der Europäischen (Währungs-)Union und ihre Positionierung in einer zukünftig multipolaren Welt, das ist die eigentliche Herausforderung. Wie kann die Europäische Union auf die machtpolitischen Umbrüche unserer Zeit reagieren und von ihnen profitieren? Welche neuen Wege der internationalen Kooperationen müssen gefunden werden? Das sind nur einige der wichtigen Fragen, die beantwortet werden müssen, wenn Europa nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden will.
Das aktuell stattfindende und völlig unnötige Trauerspiel europäischer Politik rund um den Schizo – pardon – Euro, lässt leider erheblichen Zweifel an der Lern- und Problemlösungsfähigkeit Europas aufkommen.
Statt eines Kommentars, ein Zitat von Folker Hellmeyer:
„…Der aktuelle Prozess der konjunkturellen Abkühlung unterminiert die fiskalische Gesundung global. Die europäischen Reformländer werden konjunkturell in noch schwereres Fahrwasser gebracht. Damit rückt ein Scheitern der Eurozone näher.
Das Verhalten der deutschen Politik war in den letzten 20 Monaten prozyklisch und verschärfte die Krise. Die Tatsache, dass Länder wie Italien in den Sog spekulativer Attacken gezogen wurden, ist nahezu absurd, gleiches gilt für Frankreich und auch Spanien.
Gerade die deutsche Position verhinderte den Einsatz der stärksten Mittel in diesem Finanzkrieg. Damit konnte sich der Virus latent gegen die Eurozone fortsetzen und hat heute eine Situation kreiert, die geeignet ist, unseren Kindern eine europäische Zukunft zu zerstören….“